Stefan Zimmermann auf einer Wiese, vor ihm eine Gruppe Gänse

Freilichtmuseum am Kiekeberg: Geschichte mit allen Sinnen erleben

Nur wenige Minuten von den Fischbeker Reethen entfernt liegt mit dem Freilichtmuseum am Kiekeberg eines der bedeutendsten Kultur- und Ausflugsziele der Metropolregion Hamburg. Auf dem weitläufigen Gelände in Ehestorf können Besucher:innen Geschichte nicht nur sehen, sondern auch erleben – von historischen Bauernhäusern über alte Handwerkskünste bis hin zu spannenden Einblicken in das Alltagsleben vergangener Generationen. Seit fast zehn Jahren leitet Stefan Zimmermann das Museum und entwickelt es kontinuierlich weiter. Im Interview spricht er darüber, warum das Freilichtmuseum Menschen jeden Alters begeistert, welche Rolle es für die Region spielt und weshalb es auch für die künftigen Bewohner:innen der Fischbeker Reethen ein lohnendes Ziel direkt vor der Haustür ist.

Stefan Zimmermann lehnt an einem Zaun
„Gemeinsam Brot backen, handwerkliche Techniken lernen, Tiere erleben oder einfach Zeit miteinander verbringen – all das gewinnt als Ausgleich zu unserem normalen Alltag an Bedeutung."
Stefan Zimmermann Museumsdirektor

IBA Hamburg: Wie sind Sie eigentlich zum Freilichtmuseum am Kiekeberg gekommen?

Stefan Zimmermann: Ich komme ursprünglich aus Baden-Württemberg und habe Geschichte studiert. Schon direkt nach dem Studium hat es mich in ein Freilichtmuseum verschlagen. Seitdem hat mich diese Museumsform nicht mehr losgelassen. Vor knapp zehn Jahren ergab sich dann die Chance, nach Norddeutschland zu wechseln. Das Freilichtmuseum am Kiekeberg genießt bundesweit einen hervorragenden Ruf und zählt zu den größten seiner Art. Deshalb war für mich schnell klar: Das möchte ich machen. Und ich habe den Schritt in den Norden bis heute keine Minute bereut.

IBA Hamburg: Was fasziniert Sie persönlich an einem Freilichtmuseum?

Stefan Zimmermann: Ein Freilichtmuseum kann man mit allen Sinnen erleben. Man sieht nicht nur Exponate in Vitrinen, sondern riecht die Gärten, erlebt die Tiere, spürt die Jahreszeiten und kann vieles direkt entdecken. Für mich ist das ein unglaublich lebendiger Museumstyp. Gleichzeitig erzählen wir die Geschichte des Alltags. Dinge wie eine alte gelbe Telefonzelle oder eine historische Tankstelle wecken bei vielen Menschen sofort eigene Erinnerungen. Diese emotionale Verbindung ist etwas ganz Besonderes.

IBA Hamburg: Welche Bedeutung hat der Kiekeberg für die Region?

Stefan Zimmermann: Für viele Menschen sind wir ein Stück Heimat. Großeltern kommen mit ihren Enkeln hierher und erzählen von ihrer eigenen Kindheit oder davon, wie ihre Familien nach dem Krieg gelebt haben. Das Museum wird oft zu einem Ort persönlicher Erinnerungen. Gleichzeitig sind wir als kultureller Leuchtturm weit über die Region hinaus bekannt. Jedes Jahr besuchen uns rund 200.000 Menschen, und unser Förderverein mit mehr als 14.000 Mitgliedern zeigt, wie stark die Verbundenheit der Menschen mit dem Kiekeberg ist.

IBA Hamburg: Die Welt wird immer digitaler. Wie machen Sie ein Freilichtmuseum fit für die Zukunft?

Stefan Zimmermann: Natürlich nutzen auch wir digitale Angebote, etwa unsere Museums-App oder digitale Quizformate. Aber unsere eigentliche Stärke liegt im Analogen. Die Menschen suchen heute zunehmend echte Gemeinschaftserlebnisse. Gemeinsam Brot backen, handwerkliche Techniken lernen, Tiere erleben oder einfach Zeit miteinander verbringen – all das gewinnt als Ausgleich zu unserem normalen Alltag an Bedeutung. Ich bin überzeugt, dass Freilichtmuseen als Orte für authentische Erlebnisse künftig sogar noch wichtiger werden.

Ein Hausschwein steckt seinen Rüssel durch einen Holzzaun

IBA Hamburg: Viele neue Bewohner:innen werden in den Fischbeker Reethen ein Zuhause finden. Warum lohnt sich ein Besuch am Kiekeberg?

Stefan Zimmermann: Weil das Museum unglaublich vielfältig ist. Man kann hier große Veranstaltungen mit Tausenden Gästen erleben oder ganz ruhige Momente genießen. Familien finden an fast jedem Tag Mitmachangebote, Kinder haben bei uns freien Eintritt und können das Gelände selbstständig erkunden. Viele Besucher:innen kommen auch einfach zum Spazierengehen, um Tiere zu beobachten oder einen Kaffee zu trinken. Der Kiekeberg ist für viele Menschen ein Ort zum Durchatmen geworden.

IBA Hamburg: Und was ist Ihr persönlicher Lieblingsort im Museum?

Stefan Zimmermann: Das wechselt tatsächlich immer wieder. Besonders mag ich die Königsberger Straße mit ihren Gebäuden der Nachkriegszeit. Aber wenn ich einen Gegenstand auswählen müsste, wäre es wohl die alte Telefonzelle. Sie steht für etwas, das vor gar nicht allzu langer Zeit ganz selbstverständlich zu unserem Alltag gehörte und heute bereits Museumsobjekt ist. Jeder hat dazu seine eigene Geschichte. Für mich symbolisiert sie wunderbar die Verbindung zwischen persönlicher Erinnerung und Geschichte.