Zwei Personen mit Gewehren auf einem Schießstand vor nummerierten Zielscheiben

Zwei Vereine, eine starke Gemeinschaft: Schießsport in Fischbek

Am Rostweg in Fischbek haben gleich zwei traditionsreiche Vereine ihr Zuhause: der Schützenverein Fischbek und Umgegend von 1903 e. V. und der Damen-Schießclub Fischbek von 1975 e. V. Beide verbinden den sportlichen Wettbewerb mit einem geselligen Vereinsleben und einer engen Verbundenheit zum Stadtteil. Im Interview erzählen die Vorsitzenden Arne Boltze und Claudia Mudra, wie sie selbst zum Schießsport gekommen sind, was ihre Vereine auszeichnet und warum die künftigen Bewohner:innen der Fischbeker Reethen jederzeit willkommen sind.

IBA Hamburg: Herr Boltze, wie sind Sie zum Schießsport und schließlich zum Schützenverein Fischbek gekommen?

Arne Boltze: Meine ersten Berührungspunkte mit dem Schießsport hatte ich mit 16 Jahren über die Betriebssportgemeinschaft des Zolls, in der mein Vater aktiv war. Dort habe ich Kleinkaliberpistole, Luftgewehr und Luftpistole geschossen. Ende der 1990er-Jahre sind wir nach Fischbek gezogen. Unsere Nachbarn waren fast alle im Schützenverein und irgendwann hieß es: „Arne, jetzt wird es aber Zeit.“ 2004 bin ich schließlich eingetreten. Weil ich bereits Erfahrung und eine Ausbildung als C-Trainer hatte, wurde ich gleich Schießwart und habe neue und junge Schütz:innen angeleitet. Später war ich Schriftführer und heute bin ich der erste Vorsitzende. Eigentlich habe ich seit meinem Eintritt immer irgendeine Aufgabe im Verein übernommen.

IBA Hamburg: Frau Mudra, bei Ihnen begann die Geschichte etwas anders. Was hat Sie in den Damen-Schießclub geführt?

Claudia Mudra: Ich bin in Fischbek aufgewachsen und mein Vater war im Schützenverein. Trotzdem hatte ich lange keinen besonderen Bezug zum Schießen. Erst als mein Sohn in der Jugendabteilung anfing und ich ihn einmal abholte, wurde ich von den Damen angesprochen. Vor etwa drei Jahren habe ich es dann selbst ausprobiert und bin nach und nach hineingerutscht. Als Ende 2024 eine neue erste Vorsitzende gesucht wurde, stand sogar die Zukunft des Vereins auf der Kippe. Für mich war klar, dass diese besondere Gemeinschaft nicht einfach verschwinden darf. Deshalb habe ich die Aufgabe übernommen. Der Zusammenhalt unter den Frauen und dieses Gefühl, füreinander da zu sein, bedeuten mir sehr viel.

IBA Hamburg: Warum gibt es in Fischbek eigentlich zwei eigenständige Vereine?

Arne Boltze: In den 1970er-Jahren wollten auch die Frauen im damaligen Männerverein schießen. Das wurde seinerzeit abgelehnt. Daraufhin haben sie gesagt: Dann gründen wir eben unseren eigenen Verein. So entstand der Damen-Schießclub. Heute wirken diese früheren Grenzen längst überholt. Wir nutzen dieselbe Anlage, feiern miteinander und organisieren auch Veranstaltungen gemeinsam. Viele Frauen unserer Vereinsmitglieder sind im Damen-Schießclub aktiv. Im Alltag gehören beide Vereine eng zusammen.

Claudia Mudra: Der Damen-Schießclub wurde 1975 gegründet. Einige Frauen waren damals sehr hartnäckig und wollten sich ihren Platz im Schießsport selbst schaffen. Im vergangenen Jahr haben wir unser 50-jähriges Bestehen gefeiert und konnten dabei sogar noch mehrere Gründungsmitglieder begrüßen. Auf diese eigenständige Geschichte sind wir stolz. Gleichzeitig ist das Verhältnis zum Schützenverein heute sehr gut. Wir machen vieles miteinander und betrachten das Fischbeker Schützenfest selbstverständlich auch als unser Fest.

IBA Hamburg: Was macht den Reiz des Schießsports für Sie persönlich aus?

Arne Boltze: Beim Schießen braucht man Ruhe, Konzentration und eine gute Körperkontrolle. Bei mir hat anfangs auch der berufliche Hintergrund eine Rolle gespielt, inzwischen steht aber ganz klar die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Der Sport bringt Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Wer zu einem Trainingsabend kommt, kann schießen, muss es aber nicht. Manche setzen sich einfach dazu, trinken etwas und unterhalten sich. Gerade für Menschen, die neu in Fischbek sind, ist das eine gute Möglichkeit, schnell Kontakte zu knüpfen.

Claudia Mudra: Bei uns kommt zu der Konzentration beim Schießen dieses besondere Miteinander hinzu. Wir tragen unsere Vereinsmeisterschaft unter uns aus und später kommen die Partner dazu. Anders als beim Schützenverein küren wir keine Königin, sondern eine Meisterin. Dafür werden vier Schüsse abgegeben, wobei beim vierten Schuss der beste Teiler entscheidet. Diese Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Tradition und Gemeinschaft macht für mich den Reiz aus.

Arne Boltze posiert mit Gewehr
„Man kann bei uns sehr unkompliziert Menschen aus dem Stadtteil kennenlernen und Anschluss finden. Das Vereinsleben besteht nicht nur aus dem Sport."
Arne Boltze Vorsitzender SV Fischbek

IBA Hamburg: Muss man bereits Erfahrung oder eine eigene Ausrüstung mitbringen?

Claudia Mudra: Überhaupt nicht. Wer neugierig ist, kann zunächst vorbeikommen, sich alles ansehen und unter Aufsicht die ersten Schritte ausprobieren. Wir erklären in Ruhe, wie man ein Gewehr hält und worauf es beim sicheren Umgang ankommt. Geschossen wird bei uns mit Luftgewehr und Kleinkalibergewehr. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Wichtig sind vor allem Interesse, Konzentration und Freude an der Gemeinschaft.

Arne Boltze: Auch eine eigene Ausrüstung braucht man am Anfang nicht. Die Waffen werden vom Verein gestellt. Erst wenn jemand länger dabei ist und ein stärkeres sportliches Interesse entwickelt, kann ein eigenes Gewehr interessant werden. Wer zum ersten Mal kommt, wird angeleitet und kann alles in Ruhe kennenlernen. Niemand muss schon vorher wissen, wie Schießsport funktioniert.

IBA Hamburg: Viele neue Nachbar:innen werden künftig in den Fischbeker Reethen leben. Was möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?

Arne Boltze: Kommen Sie einfach vorbei. Man kann bei uns sehr unkompliziert Menschen aus dem Stadtteil kennenlernen und Anschluss finden. Das Vereinsleben besteht nicht nur aus dem Sport. Dazu gehören unser Schützenfest, der Königsball, Kinderveranstaltungen und viele weitere Begegnungen über das Jahr. Neue Mitglieder und neue Ideen sind ausdrücklich willkommen. Gerade die zukünftigen Bewohner:innen der Fischbeker Reethen können bei uns einen Ort finden, an dem aus neuen Nachbarn schnell bekannte Gesichter werden.

Claudia Mudra: Wir würden uns besonders über Menschen freuen, die nicht nur den Sport ausprobieren, sondern auch Lust auf ein lebendiges Vereinsleben haben. Wie viele Vereine suchen auch wir Nachwuchs, vor allem in den mittleren Altersgruppen und für die Vorstandsarbeit. Die neuen Nachbar:innen bringen vielleicht ganz andere Erfahrungen und Perspektiven mit. Das wäre eine große Bereicherung. Niemand muss sich verpflichtet fühlen, sofort eine Aufgabe zu übernehmen. Der erste Schritt ist einfach, hereinzukommen und uns kennenzulernen.

Holzuhr mit der Aufschrift "in Fischbek is veeles anners"

IBA Hamburg: Was macht Fischbek für Sie ganz persönlich zu einem besonderen Ort?

Claudia Mudra: Für mich ist es vor allem die Fischbeker Heide. Ich bin hier geboren und lebe direkt in ihrer Nähe. Man ist schnell im Grünen und kann zu jeder Jahreszeit etwas anderes entdecken. Dazu kommt dieses dörfliche Gefühl: Viele Menschen kennen sich, Vereine, Feuerwehr und andere Einrichtungen arbeiten zusammen und man bekommt mit, was im Stadtteil passiert. Diese Nähe macht Fischbek für mich aus.

Arne Boltze: Die Heide ist auch für mich ein besonderer Ort. Als ich noch viel gelaufen bin, konnte ich dort fünfmal in der Woche unterwegs sein, ohne dieselbe Strecke nehmen zu müssen. Auch der Segelflugplatz gehört für mich zu Fischbek. Gleichzeitig schätze ich die Nachbarschaft rund um den Verein. Hier kennt und unterstützt man sich. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl möchten wir auch mit den Menschen teilen, die künftig in den Fischbeker Reethen zu Hause sein werden.